Königsberg in Bayern
Ansicht Salzmarkt
Lebendige Historie

Seit Menschengedenken findet in Königsberg an Pfingsten das große Heimatfest, weitläufig als das »Königsberger Pfingstfest« bekannt, statt. Das Fest ist nicht etwa nur traditioneller Jahrmarktsrummel, sondern auch ein Fest aller Königsberger, die sich mit ihrem Städtchen verbunden fühlen. Zum Königsberger Heimatfest finden viele Königsberger in der Fremde zu ihrer Heimatstadt zurück, um gemeinsam mit den dort Ansässigen das traditionelle Pfingstfest zu feiern, das vom Freitag vor Pfingsten bis einschließlich Pfingstdienstag dauert. Der Pfingstdienstag bildet den Höhepunkt, denn an diesem Tag rückt seit über 150 Jahren die Bürgerwehr in alter Tracht aus.

Das Programm für diese 5 Festtage gestaltet sich folgendermaßen:

Freitag: Auftakt des Pfingstfestes mit Bieranstich im Festzelt, der Festbetriebs auf dem »Bleichdamm« beginnt.

Pfingstsamstag: Gegen 23 Uhr findet ein großes Feuerwerk statt.

Pfingstsonntag: Der Hofheimer Spielmannszug und die Blaskapelle Hofstetten geben vormittags ein Standkonzert auf dem Marktplatz.

Pfingstmontag: Auf dem Schloßberg wird am Kriegerdenkmal ein Ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Danach findet im Burghof der Frühschoppen der Schloßberggemeinde Königsberg statt, der vom Posaunenchor Königsberg musikalisch umrahmt wird.

Pfingstdienstag: Um 8:30 Uhr beginnt der Auszug der Bürgerwehr 1848 auf dem Marktplatz, der mit einer große Parade auf dem »Bleichdamm« endet.

Die Vorbereitung für den historischen Bürgerwehrauszug am Pfingstdienstag wird vom Kommando der Bürgerwehr und deren Hauptmann schon lange vor dem Feste betrieben. So findet in der Regel bereits nach Ostern eine Zusammenkunft des Bürgerwehrkommandos statt, wobei die Regelungen aller den Brauch betreffenden Fragen getroffen werden, wie Rücktrittsgesuche von Chargierten, Neuwahlen und Nominierung der Leute, die die von der Geschäftswelt gespendeten Preise für das Preisschießen einsammeln.

Am Mittwochabend vor dem Himmelfahrtstage halten alljährlich die Casimiriana aus Coburg, eine Schülerverbindung studentischen Charakters, am Schloßberg ihren Festkommers ab. Dies ist die Dokumentation der alten Verbundenheit von Coburg und Königsberg, zu dessen Herzogtum Königsberg, bis zur Angliederung an Bayern in den zwanziger Jahren, gehörte.

Am Morgen des Himmelfahrtstages zwischen 8 und 11 Uhr wird die Bürgerschaft durch die Oberleutnante und Leutnante zum Bürgerwehrsauszug eingeladen: »Gruß vom Herrn Hauptmann und er läßt bitten, am Bürgerwehrauszug aktiv teilzunehmen!« Am Nachmittag versammeln sich alle willigen Bürger mit Gewehren — oder ersatzweise mit Spazierstöcken — auf dem »Bleichdamm«. Nach dem Exerzieren der Kommandos und des Parademarsches zieht die Bürgerwehr durch die Altstadt zum Marktplatz, wo man die restlichen Stunden des Tages gemütlich im Schatten der Kastanienbäume verbringt. Mit großer Freude wird jedes Jahr die Teilnahme der Casimiriana am Bürgerwehrauszug an Himmefahrt registriert.

Auch am Pfingstsonntag erfolgt wieder eine persönliche Einladung der Bürger, am Pfingtsmontag findet der Zapfenstreich statt. Der Pfingstdienstag beginnt für das Trommlerkorps schon um 6 Uhr mit dem Weckruf. Gleichzeitig wird der Salutschuss mit der Bürgerwehrkanone abgefeuert, der weit über Königsberg hinaus zu hören ist. Um 8:30 Uhr findet die letzte Reveille der Trommler statt und die Chargierten treffen sich beim Hauptmann zu einem kleinen Imbiss. Bis spätestens 8:30 Uhr finden sich die Bürger mit blumengeschmückten Gewehren oder Spazierstöcken auf dem Marktplatz ein. Nachdem die Fahnensektion mit der Abholung der Fahne beauftragt wurde, werden einige Kommandos auf dem Marktplatz exerziert. Sobald die Fahnenkompanie mit Fahne eingetroffen ist marschiert die Bürgerwehr durch die festlich geschmückte Altstadt zum »Bleichdamm«, wo der Parademarsch den zahlreichen Zuschauern präsentiert wird.
Nachmittags findet das Preisschießen der Bürgerwehr statt. Der Schützenkönig wird am selben Abend gekrönt.
Mit einem Besuch beim Schützenkönig und dem Zapfenstreich vor der Wohnung des Hauptmanns geht der Tag zu Ende.

Warum man in Königsberg schon seit Menschengedenken ein Volksfest abhielt, war lange Zeit unbekannt. Mittlerweile ist durch Nachforschungen des Heimatforschers Karl Eisentraut bekannt, dass vor 1848 in Königsberg zu Pfingsten ein Questenfest abgehalten wurde, ein alter germanischer Brauch, an dem eine Queste, ein Laubbüschel oder -wedel, als Sonnensymbol gefeiert wurde. Um 1848 mag dann das ursprüngliche Pfingstfest mit dem Aufleben des Bürgerwehrauszuges eine neue Sinngebung erfahren haben.

 

Originaltext: Brigitte Stich (geb. Eisentraut), Königsberg

 

< zurück

Querverweis

die Bürgerwehr 1848 Königsberg und ihre Geschichte